Statement zu Wohnungslose in Erfurt

Mit einigem Entsetzen verfolgen wir die seit Tagen laufende Debatte um den am Donnerstagmorgen in Erfurt erfrorenen Obdachlosen. Nicht nur, dass hier auf dem Rücken eines Toten versucht wird, sich wahlkampftaktisch zu profilieren, sondern auch die vor allem von AfD und CDU gezogenen Schlüsse aus diesem tragischen Fall sind bedenklich. Die von beiden Parteien formulierte Forderung nach einer Freigabe von Flüchtlingscontainern für Obdachlose ist ein pietätloses Ausspielen von zwei der schwächsten gesellschaftlichen Gruppen. Zudem ist sie völlig überzogen: Die Obdachloseneinrichtungen der Stadt Erfurt sind – glücklicherweise – ausreichend ausgestattet, um Personen ohne Unterkunft angemessen zu versorgen. Wegen Überfüllung der Heime musste in dieser Stadt noch niemand erfrieren. Im vorliegenden Fall hatte der Verstorbene einen Aufenthalt im „Haus Zuflucht“ aus freien Stücken abgelehnt, was bei Wohnungslosen nicht selten vorkommt. In so einem Fall sind Sozialarbeiter und Streetworker die beste Möglichkeit, um diesen Menschen eine geeignete Betreuung zukommen zu lassen. Derartige Kontaktpersonen seitens der kommunalen Träger in größerer Zahl bereitzustellen würde wirklich helfen, um derartige Unglücke in Zukunft zu vermeiden. Entlarvend ist hier dann auch die Tatsache, dass die CDU vor gar nicht allzu langer Zeit den Ausbau des Streetworkings im Jugendhilfeausschuss im Rahmen der Änderung des Kinder- und Jugendförderplans durch die Erhöhung der Jugendpauschale seitens der rot-rot-grünen Landesregierung hintertreiben wollte. Somit sind ihre vollmundig tönenden Forderungen letztlich reine Symbolpolitik.

 

von Lukas Kiehne

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