Jusos Erfurt kritisieren „Pegada“-Querfront

Am nächsten Sonnabend findet in Erfurt eine „Pegada“(Patriotische Europäer gegen die Amerikanisiserung des Abendlandes) bzw. „Endgame“ (Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas)- Demonstration statt.

Diese geht aus den Kreisen hervor, die bereits für die „Friedensmahnwachen“ 2014 verantwortlich waren.

In den Forderungen finden sich neben verschwörungstheoretisch angehauchten Forderungen auch links-antiimperialistische Versatzstücke. Bereits die Mahnwachen haben sich als „nicht links oder rechts“ begriffen, sondern als Ausdruck eines „Volkswillens“.

Als kleinster gemeinsamer Nenner, der die Querfront schmieden soll fungiert der Antiamerikanismus: So wird jedes Übel auf US-Amerikanische Regierung, Militär, Geheimdienste und Konzerne projiziert.

Geschickt werden dabei zu Recht umstrittene Themen wie die Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP/CETA, der NSA-Abhörskandal oder Fracking angesprochen. Daneben findet sich Kritik am Umgang mit der Ukraine-Krise, welche bereits Auslöser der Montagsmahnwachen 2014 war. Hier wird die USA als einzig schuldige Partei in diesem Konflikt benannt, während Russland ausschließlich legitime (Friedens-)Interessen verfolgt. Das Agieren von bundesrepublikanischen und europäischen Organen wird dabei vollkommen ausgeblendet.

Schließlich finden sich auch genuin verschwörungstheoretische Elemente: Die „Krankmache [der] Pharmalobby“, die angebliche „Vergiftung unserer Lebensmittel durch Monsanto, Nestlé, und Co“, ein „stabiles und faires Finanzsystem“ mit „Goldreserven auf deutschem Boden“, die „Erforschung […] freier Energie“, einen „Abzug der Besatzer“ und eine „Verfassung für das deutsche Volk“.

Ausgesagt wird also: US-Konzerne vergiften vorsätzlich das „deutsche Volk“, das globale Finanzsystem (das nach Äußerung der Mahnwachen schuld an allen! Kriegen der letzten 100 Jahre trägt) soll durch einen Goldstandard ersetzt werden, es existieren magische Energieformen, deren Nutzung von den US-Konzernen verhindert wird, Deutschland ist noch besetzt, hat keine Verfassung und die Medien sind US-gesteuert.

Bei allem kritischen Klang der Forderungen handelt es sich hierbei um eine Anti-Aufklärerische Veranstaltung, die die legitime Kritik an vielen Zuständen völlig falsch deutet. Die dadurch indoktrinierten Menschen sind somit nicht mehr in der Lage, ihre Kritik an die richtige Institution zu adressieren.

Die Kritik wird somit zur Scheinkritik an Pseudoproblemen, das einzige Ergebnis solcher Theorien ist ein blinder Amerikahass, keineswegs eine Verbesserung der Zustände. Zudem wird die Verantwortung, die jeder einzelne und besonders die Bundesrepublik als Staat an der Weltlage trägt geleugnet.

So findet sich nichts zur Stellung Deutschlands als drittgrößter Waffenexporteur. Auch der „ständig antsteigende Wachstums- und Konsumwahn“ wird als falsche politische Zielsetzung missgedeutet, nicht als Sachzwang des kapitalistischen Systems. Ebenso wird die tatsächlich stattfindende Ausbeutung der „3.Welt“ missgedeutet.

Im Kommentarbereich der Veranstaltung findet sich wie üblich ein wildes Sammelsurium aus „Gegenmedien“ von KenFm bis Kopp-Verlag, unwidersprochene Antisemitische Karikaturen und Reichsbürger-Propaganda.

Justin Witzeck für den SprecherInnenrat der Jusos Erfurt: „Wer sich an einer solchen Demonstration beteiligt, sollte sich im klaren sein, dass die dadurch angestrebten Ziele ins lächerliche gezogen und von rechten Populisten instrumentalisiert werden. Der Kampf um eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung, gegen Armut und für Bürgerrechte benötigt korrekte Analysen und wird durch eine herbeihalluzinierte Weltverschwörung und einen blinden Antiamerikanismus nicht gewonnen.“

Auch Toni Lütgenau, Sprecher der Jusos Erfurt für antifaschistische Arbeit schätzt die Endgame-Demo als gefährlich ein:

Die Demo wird, wie die bisherigen Montagsmahnwachen unter dem Deckmantel des Friedens abgehalten werden. Sehr komplexe Fragen werden einfach und für alle zugänglich beantwortet: Amerika wird als einziger Feind aufgefasst und gegen die Amerikanisierung Europas gewettert. Viele aufgestellten Forderungen sollten tatsächlich kritisch diskutiert werden. Durch Pauschalurteile und hinzugezogene unwiderlegbare Verschwörungstheorien werden aber oftmals nur Ängste geschürt, Feindbilder aufgestellt und verfestigt. Dies ist gefährlich und kann keinesfalls eine friedliche Mission sein.

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